Polen/Großbritannien 2025, Regie: Jan Komasa, Länge: 110 Minuten, FSK: 16
DA: Stephen Graham, Andrea Riseborough, Anson Boon, Kit Rakusen u.a.
Der zweite englischsprachige Film (nach The Change) des polnischen Regisseurs Jan Komasa zielt darauf ab, dem Publikum den Boden unter den Füßen wegzuziehen.
Zu Beginn des Films werden wir auf brüske Art und Weise mit dem 19-jährigen Tommy konfrontiert, der sich ins hochtourige, drogeninduzierte Partyleben stürzt und ein Kotzbrocken vor dem Herrn ist. Seine liebenswürdige Freundin würdigt er keines Blickes, macht vor ihren Augen andere Mädchen an, beleidigt alle Welt, prügelt sich mit Türstehern und randaliert auch sonst nach Leibeskräften. Dass wir ihn einige Filmminuten später, entführt und angekettet wie ein Hund, im Keller eines Landhauses wieder finden, scheint kein vollends unverdientes Schicksal zu sein. Bis dahin nähert sich die Story über den Umweg eines bemerkenswerten Perspektivwechsels dem properen Haushalt. Die illegal eingewanderte, junge Mazedonierin Rina bewirbt sich um die Stelle einer Putzfrau und lernt die Familie bei der Führung durchs Anwesen kennen: den beflissen freundlichen Arbeitgeber Chris, die depressive Hausherren Kathryn, den Sohn Jonathan, der brav lächelt und schließlich den unfreiwilligen Gast im Keller. In der Folge werden wir zu Zeugen der drakonischen Umerziehung, die der wohlmeinende Psychopath Chris seinem Häftling angedeihen lässt.
Die Korruption von Familien und anderen Gemeinschaften zieht sich wie ein roter Faden durch Komasas Werk. Gut und Böse sind hier ein weites Feld und sein Film hält dieses Tauziehen in einer mulmigen Ambivalenz. Es wäre ein Leichtes, in Tommys Reformierung eine reaktionäre Fantasie zu sehen. Das Leben draußen scheint keinen Deut besser. Aber eine moralische Freigabe erteilt Komasa diesem Impuls nicht.
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Veranstaltungsort
Kino Latücht
Tickets:
Abendkasse oder
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Tel. 0395 5666611 E-Mail: Vorbestellte Karten bitte spätestens 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn an der Abendkasse abholen.